BEWERTUNG VON TORF ALS ORGANOGENE BODENKOMPONENTE IN GÄRTNERISCHEN ERDEN UND TORFGEDÜNGTEN MINERALBÖDEN

W. Baden
Hat schon Liebig für eine Förderung des Pflanzenbaues eine zutreffende Vorstellung von den Bewurzelungsverhältnissen als unerlässlich erachtet, so hat Tacke an der Moor- Versuchsstation in Bremen dieser Voraussetzung für die Moor- und Anmoorkultur erhöhte Bedeutung beigemessen.

Heute steht in Ergänzung dazu für die Bodenkultur das Bodengefüge schlechthin im Vordergrund; denn je günstiger die Porenraumgliederung im Boden, desto intensiver wird er nicht nur durchwurzelt, sondern desto mehr sagen den Pflanzenwurzeln darin auch das Verhältnis von Luft zu Wasser, der Wasserhaushalt und der Lufthaushalt zu, desto grösser ist dann vor allem auch die Nährstoffverfügbarkeit, welche zusammen mit genügend - noch in Zersetzung befindlichem - organischem Material den Boden erst hinreichend belebt. Das aber geht Landwirt, Forstwirt und Gärtner gleichermassen an.

Unterstellen wir - wie es aus grundsästzlichen Erwägungen statthaft ist-dass die Kennwerte, welche in der Moor- und Anmoorkultur für die organogene Bodenkomponente, d.h. im besonderen für Art und Beschaffenheit der Torfe eindeutig definiert und in ihren bodenkulturellen Auswirkung erkannt sind, auch bei ihrer Verwendung als Bodenverbesserungsmittel und in gärtnerischen Erden gelten, dann ist deren Einfluss auch in diesen Fällen überwiegend ein bodenphysikalischer. Das heisst zunächst für das Bodengefüge u.a. folgendes:

  1. In Moorböden ist der Porenraum (GVP) insgesamt grösser als in den meisten Mineralböden, insbesondere aber der Anteil an Grob-, Mittel- und mittleren Feinporen. Dieser Anteil an dränenden Poren, vor allem an Mittelporen ist in wenig zersetzten Torfen besonders gross und nimmt mit fortschreitender Zersetzung ab.
  2. Anmoorböden enthalten trotz nur 15 bis 30 Gew. % an Verbrennlichem - bei gleicher Beschaffenheit dieser organogenen Bodenkomponente- davon insgesamt bekanntlich annähernd die gleiche Menge wie Moorboden mit > 30 Gew. % (trocken) (Abb.1). Dank ihrer geringeren Dichte und ihres niedrigen scheinbaren spezifischen Gewichtes (Vol. Gew. tr.) mach dieselbe - wie es nicht oft genug betont werden kann - im Wurzelbett des Anmoores wenigstens 50 Vol. % aus (Abb. 2) und gestaltet dessen Gefüge entsprechend.
  3. Infolgedessen wirken sich schon wenige Prozent Torf in gärtnerischen Erden und als Bodenverbesserungsmittel gefügemässig spürbar aus. Mit steigenden Torfgaben kommt deshalb das Bodengefüge dem der Anmoorkultur und in gärtnerischen Erden meistens dem der Moorkultur nahe.
  4. Dicht lagernde Einzelkorngefüge, u.a. humusarmer Sand, werden durch eine Betorfung schlagartig in Kulturboden, d.h. in ein derartig
Baden, W. (1971). BEWERTUNG VON TORF ALS ORGANOGENE BODENKOMPONENTE IN GÄRTNERISCHEN ERDEN UND TORFGEDÜNGTEN MINERALBÖDEN. Acta Hortic. 18, 91-100
DOI: 10.17660/ActaHortic.1971.18.10
https://doi.org/10.17660/ActaHortic.1971.18.10
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