TORFE ALS KATIONENAUSTAUSCHER BEI DER HERSTELLUNG GÄRTNERISCHER ERDEN

W. Feige
Hochmoortorf ist heute Hauptbestandteil gärtnerischer Erden. Vielfach werden sogar reine Torfe als Kultursubstrate verwendet. Damit hat der organische Austauscher Torf den anorganischern Austauscher Ton weitgehend verdrängt. Die physiko-chemischen Eigenschaften der Torfe unterscheiden sich aber wesentlich von denen anorganischer Kolloide. So ergeben sich in der Nährstoffstatik und in der Nährstoffdynamik erhebliche Abweichungen zu den früher verwendeten Substraten.

Tonen und Torfen gemeinsam ist zunächst das Vermögen, als Kationenaustauscher zu wirken, und die Kationenkonzentration der Bodenlösung auf einer bestimmten austauscherspezifischen Höhe zu halten. Bei den Tonmineralen erfolgt der Austausch hauptsächlich über permanente Ladungen. Die oberhalf pH 5–6 auftretenden variablen negativen Ladungen, die durch den amphoteren Charakter funktioneller Gruppen wie OH und OH2 zustande kommen, treten, ausser bei Allophanen und Zweischichtenmineralen, mengenmässig zurück. Im Gegensatz zu den anorganischen Austauschern tragen die organischen Austauscher ausschliesslich variable Ladungen, die an funktionellen Gruppen der Grenzflächen lokalisiert sind. Diese Ladungen nehmen in Abhängigkeit vom pH der sie umgebenden Lösung an den Umtauschvorgängen teil. Daraus ergeben sich Konsequenzen für die Kapazität und für die Selektivität bei der Kationenbindung.

Feige, W. (1971). TORFE ALS KATIONENAUSTAUSCHER BEI DER HERSTELLUNG GÄRTNERISCHER ERDEN. Acta Hortic. 18, 26-36
DOI: 10.17660/ActaHortic.1971.18.2
https://doi.org/10.17660/ActaHortic.1971.18.2
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